Ursachen des M. Peyronie / Induratio penis Plastica
Die Diagnose Morbus Peyronie – medizinisch Induratio penis plastica (IPP) genannt – wirft bei betroffenen Männern meist viele Fragen auf. Die fortschreitende Verkrümmung des Penis, die oft von Schmerzen bei der Erektion begleitet wird, ist für viele ein Tabuthema. Doch wie entsteht diese Bindegewebserkrankung überhaupt?
Obwohl die Wissenschaft noch nicht jedes Detail entschlüsselt hat, gilt heute ein Zusammenspiel aus mechanischen Belastungen, genetischer Veranlagung und gestörten Heilungsprozessen als gesichert.
Unbemerkte Mikrotraumata
Die am weitesten akzeptierte Theorie besagt, dass die Erkrankung durch wiederholte, minimale Verletzungen (Mikrotraumata) ausgelöst wird.
- Der Auslöser: Schläge auf den Penis, Fußball Treffer, Traumata bei sonstigen Aktivitäten
- Die Verletzung: Dabei entstehen kleinste Einrisse in der elastischen Hülle der Schwellkörper (der sogenannten Tunica albuginea). Es kommt zu minimalen Einblutungen im Gewebe.
Wundheilungsstörung
Normalerweise heilen solche Mikroverletzungen von selbst ab. Bei Männern, die an IPP erkranken, ist dieser Heilungsprozess jedoch gestört:
- Chronische Entzündung: Der Körper schaltet nicht auf "Heilung", sondern verbleibt in einem dauerhaften Entzündungszustand.
- Überproduktion von Narbengewebe: Bestimmte Wachstumsfaktoren (insbesondere TGF-β) werden im Übermaß ausgeschüttet. Sie signalisieren dem Körper, massenhaft starres Bindegewebe zu produzieren.
- Die Plaque-Bildung: Das ehemals elastische Gewebe vernarbt und verhärtet sich. Es entsteht ein tastbarer Knoten oder Ring (Plaque), der in manchen Fällen sogar verkalkt.
Da diese Plaque im Gegensatz zum gesunden Gewebe absolut unelastisch ist, kann sie sich bei einer Erektion nicht dehnen. Die Folge: Der Penis verbiegt sich in Richtung der Verhärtung.
Genetik
Da fast jeder Mann im Laufe seines Lebens Mikrotraumata erlebt, stellt sich die Frage: Warum erkranken nur einige an IPP? Die Antwort liegt in den Genen. Eine genetische Veranlagung bestimmt, wie empfindlich das körpereigene Bindegewebe auf Verletzungen reagiert.
Ein starker Beleg für diese genetische Komponente ist der Zusammenhang mit anderen Bindegewebserkrankungen:
- Morbus Dupuytren: Bis zu 40 % aller IPP-Patienten leiden gleichzeitig an dieser Erkrankung, bei der sich die Sehnenplatten der Handinnenfläche verhärten und die Finger dauerhaft krümmen.
- Morbus Ledderhose: Eine ähnliche Verhärtung, die an den Fußsohlen auftritt.
Risikofaktoren und Begleiterkrankungen
Bestimmte gesundheitliche Faktoren können das Risiko, an Morbus Peyronie zu erkranken, nachweislich erhöhen:
- Erektile Dysfunktion (ED): Ein Penis, der nicht seine volle Härte erreicht, knickt beim Intimleben deutlich leichter ein. Das Risiko für Mikrotraumata steigt.
- Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen: Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte schädigen die Gefäße und verschlechtern die Durchblutung. Das behindert eine normale Wundheilung.
- Fehlgesteuertes Immunsystem: Es gibt Hinweise darauf, dass bei einigen Patienten autoimmune Prozesse eine Rolle spielen, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Gewebe angreift.
- Ärztliche Eingriffe (Iatrogene Ursachen): Auch Operationen an der Prostata, Harnröhrenspiegelungen oder das Einlegen von Kathetern können Gewebereizungen setzen, die den Prozess in Gang bringen.
Fazit
Morbus Peyronie ist keine Infektion und keine bösartige Erkrankung. Sie ist das Resultat einer Fehlsteuerung der körpereigenen Wundheilung, meist ausgelöst durch mechanische Belastungen im Alltag, die auf eine entsprechende genetische Veranlagung treffen. Je früher die Erkrankung in ihrer entzündlichen Frühphase erkannt wird, desto besser sind die Chancen, dem Prozess therapeutisch entgegenzuwirken.

